Der Weg in die Unabhängigkeit
Vom Weltmarktpreis zum Erzeugerpreis – Interview mit Hans Koch zum Thema Rohstoffmanagement
Die Zeiten ändern sich. Die Anbausituation der Landwirte hat sich in den vergangenen Monaten verändert. Der Grund: Die hohe Nachfrage und die gestiegenen Preise für Weizen auf dem Weltmarkt. Gut ist, dass das Gesetz von Angebot und Nachfrage auch wieder für die Landwirtschaft gilt. Weniger gut ist, dass dies zu Unsicherheiten bei den Erzeugern und Betreibern von Biogasanlagen führt. Hans Koch, Leiter der Abteilung Rohstoffmanagement, sieht die Lösung in neuen Fruchtfolgekonzepten._Herr Koch, die Landwirtschaft erlebt derzeit einen starken Wandel. Im Gegensatz zu früher hat sich die wirtschaftliche Situation der Landwirte verbessert. Durch die hohen Getreidepreise gerät der Bau von NawaRo-Biogasanlagen stark unter Druck. Werden die Landwirte in Zukunft mehr für andere Branchen produzieren als für die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien?
Koch: Davon gehe ich langfristig nicht aus. Ein Zielkonflikt zwischen Bioenergie und Nahrungsmittelproduktion entsteht doch nur dann, wenn der Blick auf die Nutzung von Agrarerzeugnissen wie Mais und Raps verengt wird. Tatsächlich aber ist das Potenzial an Biomasse für Biogaserzeugung wesentlich größer.
_Warum fällt es den Landwirten so schwer, sich in die neuen Rohstoffkonzepte einzudenken?
Koch: Da stimme ich nicht zu. Die meisten unserer Kunden werden neue Wege gehen, um den Betrieb ihrer Biogasanlagen effizienter zu gestalten. Trotz des Anbaus bekannter Fruchtarten besteht aber immer noch ein hoher Informationsbedarf zur Energiegewinnung einzelner Energiepflanzen oder -kulturen.
_Wie sieht Ihr Konzept aus?
Koch: Wir beraten den Landwirt entlang der gesamten Wertschöpfungskette seines Rohstoffmanagements für die Biogasanlage. Das heißt, wir stehen ihm zur Seite bei der Auswahl der Sorten, bei der Erarbeitung seiner Fruchtfolge, der Auswahl der Fruchtarten unter Berücksichtigung seiner individuellen Boden- und Klimaverhältnisse, bei der Organisation der Ernte und Lagerung im Silomanagement sowie im Transport und in der Logistik.
_Seit Juli sind Sie neuer Leiter des Unternehmensbereichs Rohstoffmanagement der Schmack Energie Holding GmbH. Ein Unternehmensbereich, der immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Was haben Sie sich für die nächste Zeit vorgenommen?
Koch: Im Fokus eines Rohstoffkonzeptes steht immer die Steigerung des Biogasertrags und die Sicherung des Rohstoffinputs. Ein Schwerpunkt der Beratung des Unternehmensbereichs Rohstoffmanagements liegt daher auf der Ertragsseite des Anbaus von Zwischenfrüchten. Umfangreiche Anbauversuche, alternative Nutzungsvarianten, zeitlich abgestimmte Ernten und deren optimale Silierung – das sind Herausforderungen des Rohstoffmanagements der Schmack Energie Holding GmbH und daran werden wir in Zukunft intensiv arbeiten.
_Auf welchen Faktoren beruht ein erfolgreiches Rohstoffmanagement?
Koch: Welche Kulturarten am besten für den jeweiligen Standort geeignet sind, lässt sich nicht nach einem Jahr beantworten. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Wird Gras vergoren, ist nicht der Energiegehalt, sondern der Gesamt-TM-Ertrag für hohe Gaserträge pro Hektar wichtig. Wie wirkt sich ein verzögerter erster Schnitt auf die Gasausbeute aus? Sind drei Schnitte ertragreicher als vier? Fragen, auf die nur antworten kann, der langjährige Erfahrungen damit aufweisen kann. Hierzu ziehen wir Ergebnisse langjähriger Versuchsreihen heran. Alle Ergebnisse unserer Standorte, z.B. Bodenproben nach der Getreideernte und Protokolle der Anbauflächen, werden in einer Datenbank zusammen geführt und ausgewertet.




