Schmack Biogas AG
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10/07
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Der Weg in die Unabhängigkeit

Vom Weltmarktpreis zum Erzeugerpreis – Interview mit Hans Koch zum Thema Rohstoffmanagement

Die Zeiten ändern sich. Die Anbausituation der Landwirte hat sich in den vergangenen Monaten verändert. Der Grund: Die hohe Nachfrage und die gestiegenen Preise für Weizen auf dem Weltmarkt. Gut ist, dass das Gesetz von Angebot und Nachfrage auch wieder für die Landwirtschaft gilt. Weniger gut ist, dass dies zu Unsicherheiten bei den Erzeugern und Betreibern von Biogasanlagen führt. Hans Koch, Leiter der Abteilung Rohstoffmanagement, sieht die Lösung in neuen Fruchtfolgekonzepten.

_Herr Koch, die Landwirtschaft erlebt derzeit einen starken Wandel. Im Gegensatz zu früher hat sich die wirtschaftliche Situation der Landwirte verbessert. Durch die hohen Getreidepreise gerät der Bau von NawaRo-Biogasanlagen stark unter Druck. Werden die Landwirte in Zukunft mehr für andere Branchen produzieren als für die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien?

Koch: Davon gehe ich langfristig nicht aus. Ein Zielkonflikt zwischen Bioenergie und Nahrungsmittelproduktion entsteht doch nur dann, wenn der Blick auf die Nutzung von Agrarerzeugnissen wie Mais und Raps verengt wird. Tatsächlich aber ist das Potenzial an Biomasse für Biogaserzeugung wesentlich größer.

_Warum fällt es den Landwirten so schwer, sich in die neuen Rohstoffkonzepte einzudenken?

Koch: Da stimme ich nicht zu. Die meisten unserer Kunden werden neue Wege gehen, um den Betrieb ihrer Biogasanlagen effizienter zu gestalten. Trotz des Anbaus bekannter Fruchtarten besteht aber immer noch ein hoher Informationsbedarf zur Energiegewinnung einzelner Energiepflanzen oder -kulturen.

_Wie sieht Ihr Konzept aus?

Koch: Wir beraten den Landwirt entlang der gesamten Wertschöpfungskette seines Rohstoffmanagements für die Biogasanlage. Das heißt, wir stehen ihm zur Seite bei der Auswahl der Sorten, bei der Erarbeitung seiner Fruchtfolge, der Auswahl der Fruchtarten unter Berücksichtigung seiner individuellen Boden- und Klimaverhältnisse, bei der Organisation der Ernte und Lagerung im Silomanagement sowie im Transport und in der Logistik.

_Seit Juli sind Sie neuer Leiter des Unternehmensbereichs Rohstoffmanagement der Schmack Energie Holding GmbH. Ein Unternehmensbereich, der immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Was haben Sie sich für die nächste Zeit vorgenommen?

Koch: Im Fokus eines Rohstoffkonzeptes steht immer die Steigerung des Biogasertrags und die Sicherung des Rohstoffinputs. Ein Schwerpunkt der Beratung des Unternehmensbereichs Rohstoffmanagements liegt daher auf der Ertragsseite des Anbaus von Zwischenfrüchten. Umfangreiche Anbauversuche, alternative Nutzungsvarianten, zeitlich abgestimmte Ernten und deren optimale Silierung – das sind Herausforderungen des Rohstoffmanagements der Schmack Energie Holding GmbH und daran werden wir in Zukunft intensiv arbeiten.

_Auf welchen Faktoren beruht ein erfolgreiches Rohstoffmanagement?

Koch: Welche Kulturarten am besten für den jeweiligen Standort geeignet sind, lässt sich nicht nach einem Jahr beantworten. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Wird Gras vergoren, ist nicht der Energiegehalt, sondern der Gesamt-TM-Ertrag für hohe Gaserträge pro Hektar wichtig. Wie wirkt sich ein verzögerter erster Schnitt auf die Gasausbeute aus? Sind drei Schnitte ertragreicher als vier? Fragen, auf die nur antworten kann, der langjährige Erfahrungen damit aufweisen kann. Hierzu ziehen wir Ergebnisse langjähriger Versuchsreihen heran. Alle Ergebnisse unserer Standorte, z.B. Bodenproben nach der Getreideernte und Protokolle der Anbauflächen, werden in einer Datenbank zusammen geführt und ausgewertet.
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_Welche Vorteile bringt ein effizientes Fruchtfolgekonzept mit sich?

Koch: Neben der Rohstoffsicherheit für die Biogasanlage hat ein Fruchtfolgekonzept mehrere Vorteile, z.B. in der Humusbilanz, der Förderung des Bodenlebens, der Unkrautunterdrückung, durch die Schattengare eine höhere biologische Boden-Aktivität, Erosionsschutz und in der Düngung.

_Welche Rolle im Rohstoffmanagement spielen dabei zukünftig die landwirtschaftlichen Betriebsmittel? Gibt es hier noch Einsparpotenziale?

Koch: Die sehen wir ganz deutlich. Natürlich sorgen Gewinne aus Energiepflanzen für die Biogasproduktion für gute Stimmung, aber nur, wenn sie von steigenden Kosten für Vorleistungen und Betriebsmittel nicht aufgezehrt werden. Die Preise für energieintensive Betriebsmittel, wie z. B. Düngung und Pflanzenschutz stiegen in den letzten Jahren deutlich über 10 Prozent. Treibstoff und Maschinenkosten, Wartung- und Servicekosten tun ein weiteres zur monetären Ertragsminderung. Leerfahrten und Wartezeiten auf dem Feld oder zur Abladestelle in der Biogasanlage müssen optimiert werden. Auf der Grundlage zahlreicher Parameter wie Transportentfernung, Parzellengröße oder Zeitpunkt der Ernte können optimale Arbeitswege und Transportlogistik erarbeitet werden.

_Welche Bedeutung kommt der Silierung bzw. der Erntelogistik für Energiepflanzen beim Einsatz in Biogasanlagen zu?

Koch: Für die Silagebereitung ist mehr als Augenmaß gefordert. Energiesilagen sind anders zu bewerten als Fütterungssilagen. Neben dem verbesserten Anbau von Energiepflanzen steht ihre optimale Silierung im Vordergrund, um maximalen Methanertrag zu leisten. Hier spielt der Trockenmassegehalt eine wesentliche Rolle, ebenso Erntezeitpunkt und Sortenwahl. Im Labor testen wir, welche Zwischenfrüchte besonders gut silierfähig sind.

_Abschließend: Ihr wichtigstes Argument um für Ihre Pläne Mitstreiter zu finden?

Koch: Unser Boden kann mehr als man denkt! Es sind keine Geheimnisse, es sind Erfahrungen, ergänzt durch labortechnische Ergebnisse, die für uns die Grundlage für ein erfolgreiches Rohstoffmanagement sind. Nicht Monotonie, sondern Vielfalt ist angesagt. Damit in Deutschland nicht überproportional viele Monokulturen entstehen, müssen Fruchtfolgen, neue Technologien im Anbau, in der Ernte und in der Verwertung entwickelt werden. Eine spannende Aufgabe für Rohstoff-Manager.

hans.koch@schmack-energie.com
www.schmack-energie.com



Hans Koch ist Unternehmer, Landwirt – und Leiter des Bereichs Rohstoffmanagement der Schmack Energie Holding GmbH. Hans Koch, 43, ist neuer Leiter des Rohstoffmanagements der Schmack Energie Holding GmbH, Schwandorf. Der Landwirt aus Baunach/Franken bewirtschaftet einen eigenen Bauernhof und berät seit vielen Jahren landwirtschaftliche Beriebe. Sein Plädoyer: Durch neue Rohstoffkonzepte die Inputsituation von Biogasanlagen sichern und unabhängig von Weltmarkttrends werden.